1. Die ersten Jahre nach der Machtübernahme

Die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 und die damit verbundene nationalsozialistische "Machtübernahme" beeinflussten den Vereinsbetrieb zunächst nicht. Die Vorstandssitzung vom 2. März und die Mitgliederversammlung vom 20. März verliefen wie bisher. Es mag auffallen, dass der neue Vorsitzende Dr. Karl Schmid einmal als Führer bezeichnet wurde, doch kann das auch eine rein sprachliche Variante gewesen sein. "Vaterländische" Auslassungen überschreiten kaum das bisher bei entsprechendem Anlass Geübte. Bei der Verfolgung der Ziele des Waldvereins gehe es auch um die Sicherung der Ostgrenze, um den Bestand der bayerischen Ostmark. Der Bewegung über die Grenze müsse ein Damm gesetzt werden. Auch die Vorstandssitzung vom 25. April brachte nichts Besonderes, sieht man davon ab, dass die Abordnung eines Festwagens zum Umzug am Tag der deutschen Arbeit - am 1. Mai - beschlossen wurde. Doch auch dafür gab es einen Bezug aus früherer Zeit: 1930 wurde ein Festwagen zum Landesturnfest abgestellt. Die Teilnahme an der Jahreshauptversammlung des Bayerischen Waldvereins in Passau am 20./21. Mai wurde wie früher vorbereitet. Dann jedoch überstürzten sich die Nachrichten. Eine außerordentliche Vorstandssitzung am 12. Mai wurde durch die überraschende Mitteilung veranlasst, die Sektion Nürnberg habe die sofortige "Gleichschaltung" des Hauptausschusses und den Rücktritt seiner beiden Vorsitzenden, Dr. Höchtl, Straubing, und Schipper, Regensburg, verlangt. In der schon vier Tage später anberaumten weiteren außerordentlichen Vorstandssitzung kam die Information, die Jahreshauptversammlung des Bayerischen Waldvereins werde nur stark gekürzt abgehalten. Neuer Vorsitzender des Hauptausschusses solle Hauptlehrer Weiler aus Straubing (später Oberbürgermeister dieser Stadt) werden. Die Zahl der Beisitzer werde auf sechs herabgesetzt. Die Sektionen würden ausgeschaltet. Dem Hauptausschuß würden nur noch Herren mit Wohnsitz in Straubing angehören. Das veranlasste den Vorstand, mit der knappen Mehrheit von 8:6 Stimmen zu beschließen, der Jahreshauptversammlung des Bayerischen Waldvereins fernzubleiben.

Es folgte eine lange Zeit großer Unsicherheit über die Einordnung des Hauptvereins in die neuen Verhältnisse, des Zweifels und der Sorge um seinen Fortbestand und um den der Sektion. Die nächsten Vorstandssitzungen fanden nur noch in Abständen von etwa einem halben Jahr statt. Die Mitgliederversammlung im Jahre 1934 fiel aus. Im November 1933 wurde aus Straubing unterrichtet, der Bayerische Waldverein werde als Untergruppe dem "Bund deutscher Osten" eingegliedert. Die Sektion werde Ortsgruppe. Ihre beiden Vorsitzenden waren kurz vorher nach Straubing "berufen" worden. Dort sei auch das "Arierproblem" aufgerollt worden. Allgemein werde dazu ein versöhnlicher Standpunkt eingenommen, doch seien die Richtlinien abzuwarten. (Weiteres dazu ist in den Vereinsunterlagen nicht zu finden.) Die Vorstandssitzung vom 19. Juni 1934 bot ein Bild der Ratlosigkeit. Vom Hauptausschuss sei nicht das Geringste über die Zukunft des Vereins zu erfahren. Die Hauptversammlung im Mai habe nicht stattgefunden. Die Eingliederung in den "Bund deutscher Osten" habe sich zerschlagen. Auf Anfragen gebe der Hauptausschuss keine Antwort. Man war sich jedoch darüber einig, dass "die Errungenschaften unter allen Umständen aufrechterhalten" werden müssten. Es wurde beschlossen, durchzuhalten und weiterzuarbeiten aus Liebe zum Waldverein und aus Liebe zur Heimat und zum Vaterland. Bei dieser Unsicherheit, "was nun mit dem Verein werden solle und was nicht", versuchte man sich nach Möglichkeit einzurichten. Es wurde vermerkt, dass die Arbeit des Vereins "im Geiste des Dritten Reiches" geschehe. Zur "NS-Kulturgemeinschaft Kraft durch Freude" (KdF) wurde Verbindung aufgenommen. Diese führte Wanderungen nach den Markierungen der Sektion durch. Es wollte versucht werden, dort neue Mitglieder zu werben. Mit der Sektion Nürnberg des Bayerischen Waldvereins, zu der schon früher eine gute Verbindung bestanden hatte, wollte man sich wieder treffen. Neue Lage bei der Vorstandssitzung am 9. Oktober 1934: der Bayerische Waldverein werde dem Reichsverband deutscher Gebirgs- und Wandervereine angegliedert. Erneute Änderung schon wenige Tage später durch eine Information in der Hauptversammlung des Gesamtvereins am 13./15. Oktober in Waldmünchen. Es sei ein neuer "Bund deutscher Osten" ins Leben gerufen worden, dem der Bayerische Waldverein unterstellt werde. In der Vorstandssitzung am 9. April 1935 wurde indessen wieder darüber geklagt, dass die Dinge weiterhin ungeklärt seien, doch komme wohl der "Bund deutscher Osten" als Dachorganisation in Frage. Es bleibe nichts anderes übrig, als abzuwarten. Man gab sich das "gegenseitige Versprechen, die Sektion des Bayerischen Waldvereins unter allen Umständen hoch zu halten". Die Markierungsarbeit solle wie bisher fortgesetzt und auch die Wanderungen sollten in der bisherigen Weise durchgeführt werden.

Klarheit wurde endlich im November 1935 erreicht. In der Vorstandssitzung vom 21. dieses Monats konnte - nach einer Information von der Hauptversammlung des Gesamtvereins am 2. Oktober 1935, an welcher die Sektion nicht teilgenommen hatte - mitgeteilt werden, dass der Bayerische Waldverein nunmehr endgültig in den Reichsverband der deutschen Gebirgs- und Wandervereine eingegliedert sei. Von da an zeigen die Vorstandssitzungen wieder ein normales Bild, mit den schon immer üblichen Besprechungsgegenständen, wenn auch dann und wann erkennbar wird, dass sich die äußeren Verhältnisse geändert hatten und man sich darauf einzustellen hatte, vielleicht auch wollte. Am 7. Januar 1936 wurde Philipp Schipper in den wieder erweiterten Hauptausschuß des Gesamtvereins aufgenommen. Auf dessen Anforderung war er von der Sektion benannt worden.

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